Am 18. Juni 2015 fand im RIZ Waidhofen/Ybbs ein Public Viewing des Exchange Treffens der creativ wirtschaft austria statt. Ein kurzer Nachbericht.

(Ganz oben, Bild von Tata Nano aus Wikipedia)

Was ist „Frugal Innovation”?

Wikipedia definiert Frugal Innovation so:

„Frugal innovation or frugal engineering is the process of reducing the complexity and cost of a good and its production. Usually this refers to removing nonessential features from a durable good, such as a car or phone, in order to sell it in developing countries.”

Jetzt sind wir schon ein bisschen klüger. Es geht also um Vereinfachung von Produkten, durch das Weglassen von Features die nicht essenziell sind, vorrangig um Produktionskosten zu senken und neue Märkte zu erschließen.

Bei der Eröffnung durch den Vorsitzenden der cwa, Gerin Trautenberger, hörten wir noch eine weitere Definition der „Innovation” in Frugal Innovation:

„Wenn weniger tun etwas Neues ist”

Es folgten zwei Vorträge der Innovationsexperten Karl-Heinz Leitner und Rajnish Tiwari.

Mit Frugal Innovation neue Märkte erschließen

Karl-Heinz Leitner sprach über die Möglichkeiten die Frugal Innovation bietet um neue Märkte zu erschließen. Es geht darum Dinge auf den Kern zu reduzieren. Als Beispiele für erfolgreiche Produkte, die dieses Prinzip anwenden, wurden der Tata Nano, das günstigste Auto der Welt, und der Dienst „M-PESA”, ein Dienst für einfachen bargeldlosen Geldtransfer per Mobiltelefon aus Kenia präsentiert.

Ein weiterer Begriff der im Kontext von Frugal Innovation fiel, war „90% Innovation”. Das heißt: Innovationen für 90% der Weltbevölkerung. Die „untere Mittelschicht” der Weltbevölkerung, die die großen Wachstumsmärkte darstellen, die z.B. in China oder Indien in Städten leben. Mehr zu diesem Thema findet man unter http://www.designother90.org.

Eine wichtige Nachricht war auch, dass man Dinge auf jeden Fall ständig hinterfragen sollte. „Ist das wirklich notwendig was ich mache?”, ist eine wichtige Frage. „Nein” wird sehr oft die Antwort darauf sein. Nur zu oft traut man sich nicht diese Frage zu stellen.

„Deutsche Techniker sind zu stolz auf ihre Künste”

More features that you need, less that you don’t.

Werbekampagne für den Tata Nano

Dieses Zitat präsentierte Rajnish Tiwari. Er beschreibt, dass deutsche Unternehmen Probleme haben in Wachstumsmärkten Fuß zu fassen: Die deutschen Techniker sind zu stolz auf ihre Künste. Alles muss technisch perfekt ausgetüftelt sein, aber diese Märkte interessiert das eigentlich gar nicht. Diese Märkte brauchen ein Produkt das funktioniert, auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist (z.B. Robustheit). Für mehr zahlt niemand.

Es geht auch darum den richtigen Produkt-Mix anzubieten. Hier war ein Beispiel VW, die in Indien Fahrzeuge zwischen 12.000 $ und 14.000 $ anbieten, gegenüber Suzuki, die bei 5.000 $ beginnen und bei 15.000 $ enden. So ist Suzuki in diesem Markt erfolgreicher als VW, weil sie ein Segment aufgreifen das VW ignoriert, aber gleichzeitig auch für ihre Kunden da sind, wenn diese ein Premium Modell möchten.

Vortex ATM
Bild von http://www.vortexindia.co.in

Ein weiteres Beispiel war ein Geldautomat, der durch Photovoltaik mit Strom versorgt wird und wo die Mechanik der Geldausgabe besonders robust, einfach und wartungsarm gestaltet wurde. Dadurch kostet das Gerät ein Bruchteil in Herstellung und Wartung im Vergleich mit herkömmlichen Geräten. So kann auch der ländliche Bereich mit Geldautomaten abgedeckt werden, wo sich andere Lösungen finanziell nicht lohnen würden.

Ich lese daraus, dass wir durch unser Streben zu immer besseren Lösungen immer mehr im Markt nach oben wandern und so wichtige Kunden aus den Augen verlieren. Außerdem geht es nicht ewig nach oben, irgendwann tritt die Sättigung ein. Und dann haben andere Unternehmen bereits die Lücke ausgefüllt.

Das hinterfragen ist wie immer das Wichtigste: „Braucht der Konsument das oder nicht?”. Den Markt überbedienen bringt nichts. Wir sollen nicht Technologien entwickeln, um des Entwickelns wegen. Frei nach Adam Smith, soll die Produktion dem Konsum dienen. Nicht umgekehrt.

COMMOD-Haus, CH4PA & MethodKit

Zum Abschluss gab es noch die Vorstellung von Beispielen für Frugal Innovation von erfolgreichen Unternehmen aus der österreichischen Kreativbranche, Commod-Haus, Spirit Design mit dem „CH4PA” und thegoodtribe mit MethodKit.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung findet ihr hier.


Habt ihr Erfahrungen mit Vereinfachung bzw. Frugal Innovation gemacht? Ich freue mich auf Kommentare!