Im Herbst 2014 durfte ich Thomas Wagner bei mir im Büro begrüßen. Er gab wertvolle Einblicke in seine Denkweisen und den Alltag als Leiter einer der erfolgreichsten Werbeagenturen unserer Gegend.

Thomas ist Gründer und auch einer der Geschäftsführer der FALKEmedia GmbH in Waidhofen an der Ybbs. Darüber hinaus engagiert er sich noch erfolgreich für die Weiterentwicklung der Region Mostviertel.

Ich will definitiv mehrere Interviews dieser Art mit erfolgreichen Menschen in unserer Region führen. Registriert euch für den Newsletter oder schaut regelmäßig rein. Ihr könnt mir auch auf Twitter folgen.

Ihr wollt selbst hier interviewt werden? Ihr möchtet eure Erfahrungen mit Gründern teilen? Dann schreibt an [email protected].


Wie sieht dein typischer Tagesablauf aus?

Es gibt eigentlich keinen typischen Ablauf. Die einzige Regelmäßigkeit ist, dass ich zwischen 6.30 und 7.00 Uhr ins Büro komme. Die Arbeitstage selbst sind sehr verschieden – manche sind reine Bürotage, an denen ich Projekte aufarbeite, andere wieder verplant mit einem Meeting nach dem anderen. Und dann gibt’s Tage, die ich mit nur einem Kunden verbringe, zum Beispiel in einem Marketingworkshop. Abends endet mein Arbeitstag meist zwischen 18.00 und 22.00 Uhr. Ich nehme sehr oft auch am Abend noch Termine wahr oder nutze den Besuch von Veranstaltungen zum Netzwerken.

Was motiviert dich in der Früh aufzustehen?

Erstens die Verantwortung gegenüber meinen Kunden. Zweitens die Verantwortung gegenüber meinen Kollegen und meinen Mitarbeitern. Drittens und am wichtigsten: die Verantwortung mir selbst gegenüber. Ich will mir einfach jeden Tag aufs Neue beweisen, dass ich fähig bin, ein Unternehmen aufzubauen und zu führen. Dass ich es kann.

Wie kann man sich bei euch den Prozess mit einem Kunden vorstellen?

Nach der Kontaktaufnahme gibt es ein Erstgespräch, um den Kunden, sein Unternehmen und sein Produkt kennenzulernen. In diesem Gespräch wollen wir herausfinden, wo der Kunde im Bereich Werbung Bedarf hat. Wir schauen grundsätzlich immer darauf, dass alles, was wir machen, dem Kunden mehr bringt als es ihm kostet. Das bedeutet für uns, ihn individuell zu beraten.

Manchmal will ein Kunde z.B. einen Folder und im Gespräch finden wir heraus, dass dieses Produkt für seine Zwecke und in der derzeitigen Phase überhaupt keinen Sinn macht, weil seine Leistungen vielleicht vorwiegend über das Internet gesucht werden und damit ein ordentlicher Webauftritt viel höhere Priorität hat. Dann ist es unsere Aufgabe, ihn ordentlich zu beraten.

Nach diesem Erstgespräch erhält der Kunde ein Angebot. Mit unserer Arbeit beginnen wir, sobald eine schriftliche Auftragserteilung vorliegt.

Wir [haben] die Erfahrung gemacht, dass Kunden, die bereits einen Teil bezahlt haben, viel stärker motiviert sind, ihren Teil zum Gelingen beizutragen. Was zu einem schnelleren und sicheren Projektabschluss führt.

Bei Projekten mit einem hohen Auftragsvolumen stellen wir Anzahlungsrechnungen aus. Grund für diese Anzahlungen sind folgende Faktoren: Wir minimieren das finanzielle Risiko vor allem bei Aufträgen, die sich über eine längere Zeitspanne erstrecken, da bereits ein Teil bezahlt wurde. Außerdem haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kunden, die bereits einen Teil bezahlt haben, viel stärker motiviert sind, ihren Teil zum Gelingen beizutragen. Was zu einem schnelleren und sicheren Projektabschluss führt.

Was ist deiner Meinung nach die wichtigste Frage, die man einem Kunden stellen sollte?

Es gibt nicht nur eine, sondern mehrere wichtige Fragen.

Die erste ist: Was sind die Alleinstellungsmerkmale, der USP des Unternehmens beziehungsweise des Produkts?

Wer ist die Zielgruppe?

Und drittens: Was ist die Zielsetzung? Was soll durch die Werbeaktivitäten erreicht werden?

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist auch, abzuklären, wie hoch das Budget ist, das der Kunde investieren will. Damit kann man von vornherein Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Ich kann das am besten anhand von Beispielen erklären: Wenn jemand zu uns kommt und eine Website um 500 Euro oder ein Logo um 200 Euro haben will, dann werde ich ihm sagen, dass er das zu diesem Preis bei uns nicht bekommt. Wir haben ein ganz anderes Preisniveau, als die vielen Billiganbieter. Der Preisunterschied kommt daher, dass wir uns mit dem Kunden und dessen Bedürfnissen sehr genau auseinandersetzten. Wir investieren sehr viel Zeit in die Konzeption, die Ideenfindung und die Recherche. Außerdem sind in unserer Firma in den verschiedenen Bereichen wie Grafik, Programmierung, Beratung oder Text nur Fachleute am Werk, jeder auf seinem Gebiet ein Profi.

Darüber hinaus beachten wir das Thema Nutzungsrechte. Die meisten Billiganbieter haben von der Wichtigkeit dieses Bereiches keine Ahnung, was langfristig immer wieder zu Problemen und Streitigkeiten führt. Bei uns wird auch gründlich recherchiert, damit keine fremden Markenrechte verletzt werden.

Gibt es Kriterien, die ein Kunde erfüllen muss, damit ihr mit ihm arbeitet?

Der Kunde muss uns sein Vertrauen schenken. Er muss uns vertrauen, dass wir die Profis sind und wissen, was wir tun. Dass wir das Beste für ihn herausholen.

Der Kunde muss uns sein Vertrauen schenken. Er muss uns vertrauen, dass wir die Profis sind und wissen, was wir tun. Dass wir das Beste für ihn herausholen. Andernfalls wird es schwierig und auch das Ergebnis leidet darunter. Weiters dürfen wir vom Kunden die gleiche Professionalität erwarten wie er von uns. Das bedeutet, dass Vereinbarungen erfüllt und Aufgaben erledigt werden. Eine gewisse Handschlagqualität, die für uns selbstverständlich ist, setzen wir auch bei unseren Kunden voraus. Ein Kriterium ist natürlich auch der Auftragsgegenstand. Sehen wir keine Möglichkeit, den Auftrag aufgrund des Volumens und unserer Auslastung, für beide Seiten zufriedenstellend abzuwickeln, dann sagen wir das dem Kunden auch. Dann sind wir so ehrlich zu uns selbst und zum Kunden, dass wir solche Aufträge nicht oder nur in Kooperation mit Partnern durchführen.

Wie sieht bei euch ein Angebot aus. Welche Struktur hat es? Was ist euch bei einem Angebot wichtig?

Wir wollen eine möglichst hohe Transparenz gewährleisten. D.h. wir schlüsseln unsere Leistungen in möglichst kleine Schritte auf, damit der Kunde diese leicht nachvollziehen kann. Außerdem wird klar kommuniziert, ob es sich bei der Position um einen Fixpreis oder ein Aufwandsschätzung handelt. Wichtig ist, dass die Zahlungs- und Lieferkonditionen geregelt und Liefertermine angeführt sind. Ein Hinweis auf unsere AGB ist Pflicht. Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, alle Details klar zu regeln. Dadurch werden Unklarheiten vermieden und es kommt auf beiden Seiten zu keinen bösen Überraschungen.

Wie sieht bei euch typischerweise die Abrechnung eines Projektes aus? Stundensatz, Fixpreis, wöchentlich?

Idealerweise wird ein Fixpreis vereinbart, dadurch ergibt sich für beide Seiten eine Sicherheit. Sehr oft ist das aber nicht möglich, weil es davon abhängt, in welcher Form wir die Daten und Informationen vom Kunden bekommen. Es gibt viele Kunden, die wir langfristig begleiten. In diesem Fall wird ein monatliches Stundenkontingent für Beratungs- und Umsetzungsleistungen vereinbart, das wir jeweils zum Monatsende abrechnen.

Gibt es etwas, das aus euren Verträgen nicht mehr wegzudenken ist?


In unseren Angeboten sind alle Punkte enthalten, die uns wichtig sind. Wie bereits erwähnt, ist dies eine sehr detaillierte Leistungsbeschreibung. Von Bedeutung ist die Vereinbarung, dass wir Kunden und ihre Projekte als Referenz veröffentlichen dürfen. Diese Referenzen sind sehr wichtig, um uns zu vermarkten.

Auch die Nutzungsrechte werden in unseren Verträgen klar geregelt. Wichtig ist mir zu betonen, dass nicht immer alle Punkte in den Verträgen und AGB zugunsten der Agentur sind. Vielmehr geht es um die Rechte und Pflichten von beiden Seiten.

Wo siehst du dich und dein Unternehmen in 10 Jahren?

Mein persönliches Ziel ist, dass die Agentur auf guten Beinen steht und wir interessante Projekte abwickeln, die uns Spaß machen.

Wir wollen auf eine Größe wachsen, die es uns erlaubt, so viele Leistungen wie möglich im Haus anbieten zu können. Und dass wir es schaffen, Kapazitäten frei zu halten für unsere eigenen Projekte. Dass wir mit Muße und Kreativität an unseren Ideen für FALKEmedia arbeiten können.

Heute habe ich ein „Backup“ in Form meiner Partner. Ohne diese Absicherung würde ich heute nicht mehr gründen.

Wenn du heute nochmals neu durchstarten würdest, gäbe es etwas, was du anders machen würdest?

Sollte ich noch einmal neu durchstarten, würde ich gemeinsam mit Partnern, bzw. zumindest mit einem Partner/einer Partnerin gründen. Nicht mehr alleine starten, wie ich es gemacht habe.

Alleine ist es nicht möglich Full-Service anzubieten. Abgesehen davon, dass es solche Wunderwuzzis nicht gibt, wirkt man alleine nicht glaubwürdig und seriös. Als Einzelkämpfer kann man am Markt nur bestehen, wenn man sich spezialisiert und sich Nischen sucht.

Ich habe bei mir selbst gesehen, wie stressig und anstrengend es ist, wenn man für alles alleine zuständig ist. Vor allem hatte ich immer das Gefühl, dass das ganze Unternehmen stillsteht, sollte ich ausfallen. Und jeder Urlaub hat enorm viel Mehrarbeit nach sich gezogen, weil ich danach so wahnsinnig im Rückstand war. Heute habe ich ein „Backup“ in Form meiner Partner. Ohne diese Absicherung würde ich heute nicht mehr gründen.

Ist/wird die Geschäftsführung bei FALKEmedia deine Aufgabe bis hin zur Pension?

Davon gehe ich nicht aus. Ich bin ein Typ, der immer wieder neue Herausforderungen braucht und sucht. Diese Herausforderungen habe ich jetzt, weil das Unternehmen stark wächst und sich dadurch mein Aufgabengebiet permanent ändert.

Ich interessiere mich für sehr viele unterschiedliche Dinge und habe eine Menge Geschäftsideen im Kopf, die ich gerne umsetzen möchte. Daher glaube ich kaum, dass die Aufgaben von heute die gleichen sein werden wie in 10, 20 oder 30 Jahren.

Eine spannende Erfahrung wäre zum Beispiel auch, als Angestellter in einem Unternehmen zu arbeiten. Da ich mich mit 21 Jahren selbstständig gemacht habe, kenne ich eigentlich fast nur die Welt der Selbstständigkeit. Es würde mich sehr reizen, einmal für eine gewisse Zeit „unter einem Chef zu dienen“.

Was würdest du sagen läuft in deinem Unternehmen gut und was könnte besser funktionieren?

Sehr positiv ist, dass das Unternehmen finanziell auf sehr soliden Beinen steht. Wir haben eine sehr gute Auftragslage und können jede Menge Leistungen im Haus anbieten.

Perfekt ist, dass wir uns eine sehr gute Organisation aufgebaut haben. Früher habe ich viele Projekte nur mit Exceltabellen gemanagt, hatte alles im Kopf. Ich habe gelernt, dass ein gutes Projektmanagement- und CRM-System enorme Entlastung und andererseits Professionalisierung bringen kann. Wir verwenden falcana, ein System, das ich jedem Unternehmer absolut empfehlen kann. Auf einen Blick habe ich sämtliche Daten des Kunden, Gespräche, E-Mails, Notizen, Telefonate und Aufgaben vor mir. Speziell im Team ist das sehr wertvoll, weil man immer den aktuellen Projektstand sieht und weiß, was wer mit dem Kunden besprochen hat.

Negativ ist, dass wir aufgrund des starken Wachstums in den letzten Jahren nun eine ziemliche Platznot haben und in diesem Bereich jetzt nach Lösungen suchen müssen.

Leider verursacht unsere starke Auslastung, dass wir teilweise Projekte ablehnen müssen und wir dadurch Kunden verlieren. Was bedeutet, dass wir mehr Ressourcen schaffen müssen.

Genau diese Ressourcen sind ein großes Thema. Es ist nicht jede Position bei uns doppelt abgesichert. Was bedeutet, dass keiner für längere Zeit ausfallen darf. Es ist unser Ziel, dass in naher Zukunft jeder von uns ein Backup hat. Ersetzbar wird, im positiven Sinn des Wortes.

Grundsätzlich kann ich sagen, läuft es sehr gut. Aber wir haben permanent den Drang, noch besser zu werden. Daran arbeiten wir. Wir sind uns unserer Schwachstellen bewusst, wissen aber auch, wie wir diese ausbessern werden.

Es braucht oft einmal einen kritischen Blick von außen, der einem die Augen öffnet.

Was hättest du gerne schon früher gewusst? Was musstest du „the hard way“ lernen?

Wie wichtig es ist, jemanden im Büro zu haben, der dich organisatorisch unterstützt, dem du Aufgaben delegieren kannst. Denn es macht dich kaputt, wenn du dich um alles und jedes selber kümmern musst. Mit einer sogenannten rechten Hand kann man sich auf das Wesentliche konzentrieren, während der tägliche Ablauf reibungslos funktioniert.

Und man sollte sein eigenes Unternehmen öfter mal von außen reflektieren – durch Berater oder Mentoren. Im Tagesgeschäft erkennt man die eigenen Schwachstellen nicht mehr. Es braucht oft einmal einen kritischen Blick von außen, der einem die Augen öffnet.

Mir zum Beispiel war lange Zeit nicht bewusst, was mit meiner Firma passiert, wenn ich über einen längeren Zeitraum ausfallen würde. Erst als ich mein Unternehmen einem Check durch die Unternehmensberater haider.leisch.partner unterzogen habe, ist mir die Tragweite bewusst geworden, dass ein längerer Ausfall zu meinem finanziellen Ruin führen könnte.

Dass man als Selbstständiger viel mehr arbeitet als ein Angestellter, habe ich natürlich gewusst. Wenn sich aber etwas so entwickelt, wie es unser Unternehmen gemacht hat, dann stört dich das auch nicht. Denn es gibt einem so viel zurück, dass man das alles jeden Tag wieder gerne in Kauf nimmt.

Über Thomas Wagner

Thomas Wagner

Thomas Wagner, Jahrgang 1986 gründete mit 21 Jahren als Quereinsteiger seine Werbeagentur „FALKE“ mit Sitz in Konradsheim bei Waidhofen/Ybbs. Nach 4 Jahren erfolgreicher Entwicklung schloss er sich 2012 mit seinen Geschäftspartnern Matthias Wagner und Horst Pertl zur FALKEmedia GmbH zusammen. Das Büro wurde ins Zentrum von Waidhofen/Ybbs verlegt und 2014 wurde zusätzlich ein Büro in Wien eröffnet. Derzeit sind in der Agentur 7 Personen beschäftigt, die Aufträge für Unternehmen und Organisationen aus ganz Österreich ausführen.

Mehr erfahren: www.falkemedia.at